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Der erste und der letzte Schrei - Wie die Heart of code entstand


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INIT_HEARTOFCODE

Wie die Heart of Code entstand:

Die Legende, so steht es auf einschlägigen Legenden-Portalen beschrieben, sagt, dass der erste Schrei der Heart of Code während eines Sommergewitters im Jahr 2015 ertönte. In dieser schicksalsträchtigen Nacht meinte die eine nämlich: “Wieso gibt’s eigentlich keinen Frauenhackspace?” und die andere so: “Keine Ahnung.”

Die Idee ward geboren!!!

In der Realität gibt es aber einen langen Vorlauf und eine lange Folge von Ereignissen und Personen, die der Heart of Code den Weg geebnet haben. Im darauffolgenden Winter trafen sich drei Mitglieder, um sich zu der Idee, einen Frauenhackspace zu gründen, auszutauschen. Wir alle hatten uns bereits länger mit den Themen IT, Technologie, Feminismus und Gender auseinandergesetzt und Erfahrungen gemacht, die einen Frauenhackspace als Ansatz plausibel machten.

Auf dem besagten Camp beispielsweise trafen wir etliche großartige, spannende und versierte Frauen, die wir gerne wiedersehen wollten. Es fehlten aber die Strukturen dafür, beziehungsweise man traf sich sonst nicht wieder und erfuhr nicht voneinander. Wir waren auch seit mehreren Jahren in Bereichen unterwegs und aktiv, in denen wir uns für mehr Diversität in der IT engagierten, oder Wissen über Technologien verfügbar machen. Wir hatten uns also alle schon Gedanken darüber gemacht, warum es wichtig ist, dass möglichst viele verschiedene Menschen über Technologien Bescheid wissen, sie gestalten und bewerten.

Ein Frauenhackspace war der folgerichtige wunderschöne nächste Schritt unseres Engagements.



INIT_COMMUNITY

Das Schweizer Taschenmesser der notorischen Ideenhaberinnen: Pad mit Ideensammlung anlegen, Arbeitstitel ausdenken, dann die Domain des Arbeitstitels sichern, damit den Arbeitstitel für immer und ewig zementieren, Twitter-Account registrieren und als letztes einen Newsletter aufsetzen. Das alles erledigten wir dank Internet und Cats Kreditkarten-Sammlung von diversen ihr nahestehenden Personen innerhalb von einem Nachmittag. Und siehe da: Die Resonanz war riesig. Wir hatten uns so etwas schon fast gedacht, wir fanden’s ja selber merkwürdig, dass es noch keinen Frauen-Hackspace gab. Wir hatten fix um die 200 Abonnentinnen und erstellten im nächsten Zuge eine Umfrage, um herauszufinden, was Belange, Hintergründe, Wünsche und Eigenschaften der Community sind.

Die nächsten Schritte waren die Vernetzung mit anderen Aktivistinnen und erfahrenen Interessierten und relativ bald die ersten Events. Über Kontakte konnten wir wechselnde Locations für unsere Hackdays gewinnen, beispielsweise bei Soundcloud, Wikimedia oder bei Posteo. Es war erstaunlich, wie leicht man an tolle Spaces in Berlin kommt, ohne viele Ressourcen zur Verfügung zu haben. Die Hackdays waren enorm gut besucht, teilweise hackten 20-30 Frauensternchen gleichzeitig an Projekten, Kursen, Büchern und Kuchen. Wir gingen bald dazu über, Workshops von Speakerinnen zu organisieren, z.B. zu Datenvisualisierungen oder Verschlüsselung. Die Cryptopartys hauten uns ganz besonders um. Es finden jede Woche mehrere Cryptopartys statt - das sind Events, auf denen man Verschlüsselung von Mails, Festplatten oder mobiler Kommunikation erlernen kann. Als wir so ein Event anboten, meldeten sich Frauen aus der ganzen Bundesrepublik, die gerne angereist wären. Bei 20 Teilnehmerinnen mussten wir allerdings deckeln und schweren Herzens wieder ausladen. Es war aber ein wichtiges Lehrstück in Sachen Gender, Technologie und Zugang.

Wir waren mittlerweile auf einen Dunstkreis von ca. 80 Leuten angewachsen, mit 10 Menschen, die regelmäßig mit am Start waren und Lust hatten, die Heart of Code voranzubringen. Ich erinnere mich auch dunkel daran, dass Mitte 2016 die unendliche Geschichte der Vereinsgründung ihren Lauf nahm.



INIT_HACKSPACE

Per Zufall trafen wir irgendwann Felix. Felix war gerade dabei, einen Hackspace im Friedrichshain aufzubauen und wir halfen ihm prompt dabei, einen Baum aus Pappmaché zu bauen, wie das halt so unsere Art ist. Wir kamen bald zu dem Schluss, dass wir eigentlich ganz gut zusammenpassen und mieteten uns einmal die Woche in den Space ein für unser erstes regelmäßiges Treffen, den Damensalon. Zur gleichen Zeit bewarben wir uns beim Codeweek Award mit einem Workshopkonzept für Mädchen und bekamen unser erstes Funding (Ach du scheiße).

Die regelmäßigen Treffen lockten neue Leute an, teilweise sogar Laufkundschaft, die wirklich ganz klassisch vorbeilief, stoppte, durch’s Fenster schaute, gechillt einen Schluck vom Wegbier nahm und dann reinmarschierte und sich dazusetzte (So oder so ähnlich lief das glaub ich). Überhaupt waren wir auf eine stolze Größe angewachsen und es gab immer wieder neue Leute, die Teil der Heart of Code wurden. Manche kamen, manche gingen, manche kamen immer wieder, manche blieben und brachten neue Themen, Ideen und Wissen mit ein.

Soviel zur Initiierung der Heart of Code, darauf folgten natürlich noch tolle Veranstaltungen, Klassenfahrten und selbstverständlich das romantische Highlight des Community-Buildings: Unser Zusammenziehen in einen gemeinsamen Space. Aber die Geschichte dazu verbirgt sich hinter einem anderen Türchen :)



INIT_US

Die wirklich schönste Entwicklung des Ganzen - neben den vielen spannenden Dingen die ich lernen durfte, die lustigen Abende die ich mit der Heart of Code verbringen durfte, die Themen, die ich diskutieren durfte, die vielen Pizzastücke, die ich klauen durfte, obwohl ich ja eigentlich keinen Hunger hatte und 1 Mio. weiterer Dinge für die ich extrem dankbar bin - ist, dass ich außer der Gründungsmitglieder eigentlich kaum jemanden der jetzigen stetigen und losen Mitglieder der Heart-of-Code-Community vorher kannte. Was natürlich von Anfang an ganz selbstverständlicher Teil unseres Konzeptes war - Vernetzen, tolle Frauen zusammenbringen, die sich sonst nicht treffen würden - war in der Praxis und als erlebtes Ergebnis noch viel umwerfender als ich es mir zu Beginn vorgestellt hätte.

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Übrigens: am 9.12. findet unser nächster Hackday bei Mozilla statt. Kommt vorbei! Danach geht’s Richtung Heart of Code, wo das Atttelier einen kunterbunten Kunstweihnachtsmarkt veranstaltet. Es gibt leckeres aus dem Flammkuchenrohr, synthesizer Choräle und hochprozentiges aus der Glühweinkanone. Danach geht es dann beschwippst beschwingt die Leiter hoch zum besinnlichen Baumschiffbeisammensein: die Heart of Code feiert Weihnachten - feiert mit!

Wenn ihr den Hackspace der Herzen und die Herzen im Hackspace mit einer Spende supporten möchtet, schaut doch mal auf unseren Wunschzettel:




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